Der Lehrerberuf gilt vielfach als "idealer Halbtagsjob" mit komfortabler Bezahlung, sicherem Beamtenstatus und vor allem einem unvergleichlichen Ferienumfang. Für die Betroffenen stellt er sich jedoch als ein sehr problematisches Arbeitsfeld dar, das sie zunehmend nur noch mit großer Anstrengung und vielfach unter Beeinträchtigung ihrer Gesundheit bewältigen können. Sie zeigen eine doppelt so hohe Ausbrennquote gegenüber der Gesamtbevölkerung.
Etwa ein Drittel der deutschen Lehrer hat bereits starke Burn-out-Zeichen, ein weiteres Drittel arbeitet mit hohem Gesundheitsrisiko und nur knapp ein Fünftel kann überhaupt als gesund bezeichnet werden (vgl. Schaarschmidt 2000). Denn neben ihrer reinen Unterrichtstätigkeit sollen sie immer umfangreichere gesellschaftliche Aufgaben erfüllen.
Eine sich schnell verändernde Leistungsgesellschaft stellt gerade an die Institution Schule von heute hohe Bildungs- und Reparaturansprüche. Diese Forderungen sollen die gesellschaftlich wenig anerkannten Lehrer trotz pädagogischer und finanzieller Einschränkungen bei einer schwieriger zu führenden Schülerschaft in zunehmendem Maße erfüllen. Gerade bei einer insgesamt älter werdenden Lehrerschaft führt dieses Missverhältnis von Anspruch und Realität zu immer bedrohlicheren Verschleißraten.

Um die vielen, durchaus befriedigenden Elemente des Lehrerdaseins wieder bewusst leben zu können, sollen hier bereits verschiedene erprobte, systematische Wege zur Stärkung der persönlichen Stressresistenz vor dem Hintergrund einer kurzen Bestandsaufnahme vorgestellt werden. Ergänzt werden diese individuellen Bewältigungsstrategien durch mögliche kollegiale Wege der gegenseitigen Entlastung im Schulleben.
Wünschenswert und notwendig wäre eine intensive Unterstützung dieser persönlichen und kollegialen Stressbewältigungswege durch schnelle und durchgreifende Veränderungen in der gesamten Schullandschaft durch die politischen Entscheidungsträger, um der Fürsorge- pflicht als Arbeitsgeber endlich auch nur annähernd nachzukommen und viele einsatzfreudige und fähige Lehrerpersönlichkeiten nicht der Sparpolitik zu opfern.
Grundlegend für eine hohe Stresstoleranz ist die Fähigkeit, sich rechtzeitig und effektiv erholen zu können.
Um die Grenzbelastungen der Unterrichtstätigkeit ohne nennenswerte Pausengelegenheiten (Pausen angefüllt mit Aufsichten und organisatorischen Regelungen) am Unterrichtstag langfristig ohne Verschleißerscheinungen verkraften zu können, brauchen Lehrer alltagsorientierte Kurzentspannungstechniken, die Erregungsspit- zen kappen. Daneben sind nach einem längeren Unterrichtstag unbedingt vollständige und ergänzende Regenerationsverfahren notwendig, die vor allem die psycho-nervalen Kraftreserven wiederaufbauen.
Im einzelnen sollten folgende Entspannungsmaßnahmen in sinnvoller
individueller Abstimmung ergriffen und trainiert werden:
Die hohen Belastungsgrade, die unklaren Trennlinien zwischen Arbeits- und Privatsektor sowie die inhaltlichen und menschlichen Probleme, Konflikte und Widersprüchlichkeiten des Lehrerberufs verlangen nach professionellen Ziel-, Zeit- und Arbeitsstrukturen mit realistischen Anspruchssetzungen. Zur langfristigen Stressreduktion bzw. -begrenzung sind realistische Berufsziele grundlegend, die sich an den aktuellen schulischen Voraussetzungen und an der jeweiligen individuellen Belastbarkeit orientieren.
Diese wirklich erreichbaren Teilziele sollten eine individuelle Ausprägung erhalten und selbstinduziert sein und möglichst in Zusammenarbeit mit anderen Kollegen angegangen werden. Die individuell geprägten Berufssziele können nur dann effektiv umgesetzt werden, wenn LehrerInnen bei dem gewöhnlich hohen Arbeitsaufkommen in Abstimmung mit dem Privatleben auf ein geplantes und ausbalanciertes Tagesmanagement zurückgreifen können. Auf störungsfreies Arbeiten in Leistungshochs nach Dringlichkeit und Wichtigkeit ist unbedingt zu achten, um möglichst effektiv arbeiten zu können.
Im einzelnen sind folgende Aspekte zur Stressreduktion sinnvoll:
Wegen des ungünstigen Lehrerimages, unbefriedigender Aufstiegsmöglichkeiten und oftmals unzureichender äußerer Bestätigungen ist es für die Zufriedenheit und das zukünftige Engagement des einzelnen Lehrers sehr wichtig, seine eigenen menschlichen und Lehrerfolge deutlich zu erkennen und als persönliche Selbstbestärkung zu erleben. Denn negative Selbstbehandlungspraktiken sind in höchstem Maße stressfördernd. Neben einer bewussten Erfolgsorientierung sollte jeder Lehrer ein offenes, zugewandtes und zunächst nicht bewertendes Gesprächsverhalten praktizieren, um grundsätzlich stressmindernd und deeskalierend wirken zu können. Trainierte und systematische Konfliktaustragungstechniken sollten zu seinem Repertoire gehören.
Im einzelnen sind folgende Kriterien zur Stressprophylaxe zu bedenken:
Nicht nur zur Stressminderung von Schülern und Lehrern, sondern auch für optimale Unterrichtserfolge ist eine Rhythmisierung des Unterrichtsgeschehens nach den Prinzipien von Be- und Entlastung ausgesprochen empfehlenswert. So kann beispielsweise relativ konfliktfrei eine Spannungsreduktion über geeignete Spiele erfolgen, die Konzentration über einen Wechsel der Wahrnehmungsebene ohne kraftraubende Ermahnungen wiederaufgebaut werden oder Aktivierungen nach längeren, ermüdenden Arbeitsphasen erfolgen. Diese Entspannungsmöglichkeiten können dann langfristig auch von den Schülern eigenständig als Selbsthilfe gegen Stress und Übermüdung eingesetzt werden.
Im einzelnen sind folgende Aspekte zur Stressreduktion sinnvoll: